Maria UjvarEin Freund hatte mir Pro Linguis als Organisator der Sprachreise empfohlen. Als ich dort anrief, wusste ich sofort, dass ich an einen seriösen professionellen Veranstalter geraten war. Bei meinem Besuch in Meilen fand ich mit meiner Beraterin einen massgeschneiderten Kurs an der für mich richtigen Schule, dem LSC in Vancouver. Da ich nicht mehr zwanzig bin, hatte ich andere Ansprüche als meine jüngeren Mitschüler/innen, doch wurde mir mit Geduld und Hilfsbereitschaft begegnet und ich nicht als Nervensäge abgetan. Alles lief perfekt, am 4. April war es dann soweit.
Der neunstündige Flug war ein wunderschönes Erlebnis. Das eisbedeckte Grönland, die unendlich weiten kanadischen Wälder und die Rocky Mountains im strahlenden Sonnenschein, dazu die 9. Symphonie von Beethoven, herrlich!
Bei meiner Ankunft in Vancouver streikten die Taxifahrer, so "musste“ ich mich mit einer luxuriösen Limousine zufrieden geben, doch die fast einstündige Fahrt kostete nicht mehr als in einem gewöhnlichen Taxi.
Die "Steam Clock" in Vancouver Mein Homestay lag in North Vancouver nahe dem "Grouse Mountain" (1250 m hoch), den ich mehrmals besteigen sollte. Die ersten Kanadier, denen ich kennenlernte, waren meine Gastgeber, ein aus Indien stammendes Ehepaar. Ihre warme Begrüssung vermittelte mir sofort das Gefühl, willkommen zu sein. In einem Land, wo die meisten Einwohner Einwanderer oder deren Nachkommen sind, ist das auch verständlich.
Ich habe Vancouver sofort in mein Herz geschlossen. Viele Einwohner behaupten voller Stolz, dass ihre Stadt im Sonnenschein eine der schönsten der Welt ist. Wo kann man hier in seiner Freizeit vom Stadtzentrum aus Erholung suchen? Der Stanley Park bietet vielseitige Freizeitaktivitäten, Velofahren, Inline skaten, Schwimmen im Meer oder Becken oder einfach Spaziergehen an der Uferpromenade. Da die Kanadier sehr kontaktfreudig sind, konnte ich auch gleich mein Englisch prüfen.
In der Schule, wo ich täglich sechs Stunden verbrachte, herrschte eine gute Atmosphäre. Die Studenten kamen aus den verschiedensten Ländern, mehrheitlich aus Japan und der Schweiz. Dass so viele Mitschüler die Schweiz repräsentierten, konnte zum Nachteil werden, weil die Versuchung gross war, miteinander ins "Schwyzertüütsch“ abzugleiten. Wenn man sich aber im Voraus auf diese Möglichkeit einstellt, kann man dieser Versuchung widerstehen. Für mich war die Sache einfacher, da meine Muttersprache Ungarisch ist, Deutsch also eine Fremdsprache. In der Schule galt übrigens die Regel, dass nur Englisch gesprochen werden durfte.
Die Klasse mit den Studenten aus den verschiedensten Ländern Die Schule legt neben dem Englischunterricht grossen Wert darauf, dass die Schüler die kanadische Kultur kennen lernen, z.B. mit Museumsbesuchen. Auf mich machte das Anthropologische Museum der Universität von British Columbia mit der Sammlung indianischer Gegenstände grossen Eindruck. Aus moderner Zeit war ein Besuch der Geburtsstätte des IMAX-Kinos interessant.
Die Schule bietet eine ausgezeichnete Auswahl von Freizeitaktivitäten: Ausflüge nach Victoria auf Vancouver Island, Galiano Island, Wanderungen usw. Ein einmaliges Erlebnis war für mich der sechsstündige Bootsausflug zur Beobachtung von Walen (Orcas) vor der Küste.
Der sechsstündige Bootsausflug zur Beobachtung von WalenWährend meiner zehnwöchigen Studienzeit und der anschliessenden Reise quer durch Kanada habe ich sowohl meine Englischkenntnisse als auch mein Verständnis für fremde Kulturen deutlich erweitert. Ich will auch betonen, dass diese Art von Sprachenstudium nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei Leuten meines Alters noch sehr viel zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen kann.
Autor: Maria Ujvar, 40 Jahre
Sprachaufenthalt: April bis Mai in Vancouver, Kanada
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