Martin HorstVoller Freude, dem nassen, kalten und tristen Wetter entfliehen zu können, setzte ich mich ins Flugzeug und begann, von Sonne, Strand und dem Meer zu träumen, welches ich hoffentlich bald zu Gesicht bekommen würde. Nach einer kurzen Umsteigepause in Amsterdam startete endlich der Jumbojet, welcher uns in 10 Stunden nach Cancún (Yucatán) brachte. Ohne Probleme konnte ich die Passkontrolle sowie die Gepäckannahme hinter mich bringen und fand auch schnell die Person, welche mich zu meinen Gasteltern bringen sollte.
Als wir vom sehr stark gekühlten Flughafengebäude nach draussen traten, wurde ich von der Hitze und der extrem hohen Luftfeuchtigkeit fast zu Boden geworfen. Endlich im Auto angekommen, nahmen wir die etwa eine Stunde dauernde Fahrt quer durch den Dschungel in Angriff und erreichten nach Sonnenuntergang den Küstenort Playa del Carmen, der nun für zwei Monate mein Zuhause sein würde.
Schon recht ungeduldig erwarteten mich meine Gasteltern. Sie zeigten mir mein typisch mexikanisch eingerichtetes Zimmer, erklärten alles und waren sehr hilfsbereit. Von der Reise und dem Klimawechsel ziemlich erschöpft, schaltete ich den Ventilator auf die höchste Stufe, legte mich ins Bett und schlief sofort ein.
Die nächsten paar Tage verbrachte ich mit dem Kennenlernen meiner Familie und der neuen Umgebung. Schon bald fühlte ich mich wie zu Hause und es war auch sehr einfach, mit den Leuten in Kontakt zu treten. Die Mexikaner gelten als sehr liebenswürdige, gastfreundliche und kontaktfreudige Menschen. Nach kurzer Zeit sprechen sie dich schon mit „amigo“ an.
Das Highlight in den ersten Tagen aber war der Besuch am Strand von Playa del Carmen. Meine Gastmutter erklärte mir, dass die schönen und einsamen Strände im Norden liegen, während sich die anderen eher in Richtung Süden befinden, wo es die meisten Hotels und somit auch mehr Leute gibt.
So machte ich mich mit meinem Fahrrad auf den Weg und erreichte nach 10 Minuten den Cocobeach im Norden von Playa del Carmen. Da die Hauptstrassen (avenidas) parallel zum Meer und die Nebenstrassen (calles) senkrecht immer im gleichen Abstand zu den avenidas verlaufen, ist es sehr einfach, sich zurecht zu finden, und man erreicht sein Ziel ohne langes Suchen.
Der Anblick, der mich dort erwartete, war einfach traumhaft: schneeweisser Korallensand, mit Palmenblättern gedeckte Häuschen (palapas) und die intensiven Blautöne des karibischen Meeres. Mit einem Longdrink in der Hand liess es sich dort wunderbar relaxen und man vergass leicht all seine Probleme...
Traumhafte Strände am karibischen Meer in Playa del CarmenDoch Vorsicht: Wenn man nicht rot wie eine Tomate nach Hause gehen will, sollte man sich reichlich mit Sonnencreme einschmieren, vor allem in den ersten Tagen.
So verging meine erste Zeit wie im Flug und am Montag erwartete mich bereits die Schule. Da mein Gastvater Lehrer an dieser Sprachschule war, konnten wir nach dem Frühstück jeweils zusammen dorthin gehen. Wenn es aber geregnet hatte, mussten wir ein Taxi nehmen, denn die Strassen standen tagelang unter Wasser, weil es keine Abläufe gab.
Vom Anblick der Schule war ich vollkommen überwältigt: kleine, runde, strohbedeckte Hütten dienten als Klassenzimmer. Von ihnen hatte man einen wunderbaren Ausblick in den tropischen Garten mit hohen Palmen und bunten tropischen Blumen. Einziger Nachteil war, dass sich dort auch die Moskitos sehr wohl fühlten. Darum ist es empfehlenswert, Arme und Beine mit Mückensprays oder langen Kleidern zu schützen.
Exotisch anmutende Schulanlage in Playa del CarmenNach einem kurzen obligatorischen Test wurde ich sogleich in eine Klasse eingeteilt und der Unterricht konnte beginnen. Wenn man Glück hat, so sind die einzelnen Klassen sehr klein (etwa 3-5 Schüler) oder es kommt sogar vor, dass man allein ist und dadurch natürlich sehr viel profitieren kann.
Morgen von 9–12 Uhr hatten wir jeweils Grammatik und am Nachmittag wurde uns die Möglichkeit gegeben, in den 2 Stunden Konversation die mündlichen Kenntnisse in interessanten Gesprächen und Diskussionen anzuwenden und zu verbessern.
In den Pausen hatten wir genügend Zeit, die anderen Schüler kennen zu lernen, ein bisschen zu plaudern und uns in der Cafeteria zu verpflegen. Die Stimmung an der Schule war immer ausgezeichnet, denn es wurde uns sehr viel geboten. Jeden Mittwoch fand ein „café social“ statt, wo sich die Schüler und Lehrer in einer Bar am Meer trafen, etwas tranken und sich unterhalten konnten. Zudem wurde zweimal pro Woche ein Volley-ballturnier in der Schule veranstaltet.
Am Wochenende organisierten die Lehrer oft eine Tour in die nähere Umgebung. So machten wir zum Beispiel einen Ausflug in das südlich gelegene Tulúm, eine imposante Mayastätte am karibischen Meer. Während uns die Begleiter (Lehrer der Schule) die Geschichte der Mayas etwas näher brachten, hatten wir die Gelegenheit, die Tempel und Pyramiden mit dem traumhaften Strand im Hintergrund zu fotografieren oder wir beobachteten verschiedene Tiere wie Geckos, Eidechsen, Leguane und Spinnen, die sich in den Ruinen tummelten.
Nach dem Lunch besuchten wir eine Süsswasserquelle (cenote), um zu baden und zu schnorcheln und danach erholten wir uns an den menschenleeren Stränden von Tulúm. Ich empfehle jedem, sich eine Schnorchelausrüstung zu besorgen, denn die Unterwasserwelt und die grossen Riffe von Playa bis Tulúm gelten als die schönsten und artenreichsten der ganzen Welt.
Es ist natürlich kein Problem, auch etwas auf eigene Faust oder in kleineren Gruppen zu unternehmen. So werden in der Quinta Avenida (Touristenpromenade am Meer) ständig Ausflüge und Touren für das Wochenende angeboten. Auf diese Weise machte ich mit meiner Kollegin einen Ausflug nach Chichén-Itzá, der wohl berühmtesten Maya-Anlage Yucatáns und wir besuchten eine imposante Höhle mit einer kristallklaren Cenote.
El Castillo, Mayapyramide in Chichén-Itzá (Yucatán)
Andere Wochenendausflüge, die ich weiter empfehlen kann, sind zum Beispiel: Cancún (ideal zum Shoppen und bekannt für sein ausgeprägtes Nachtleben), Wasserparks wie Xel-Ha oder Xcaret mit Delphinen, ein Wochenende auf der Isla Mujeres oder als absolutes Highlight eine 3-tägige Kreuzfahrt nach Kuba mit einer Stadtrundfahrt in Havanna.
Einem erholsamen Wochenende in Playa del Carmen steht natürlich auch nichts im Wege. Den ganzen Tag am Strand liegen, Tequila oder Pinacolada zu schürfen, sich den Bauch mit feinem (aber scharfem!) mexikanischen Essen voll zu schlagen und die Nacht in einer Stranddisco zu verbringen...was gibt es Schöneres?
Doch durften wir dabei nicht ganz vergessen, dass wir nicht nur fürs reine Vergnügen nach Mexiko gekommen waren! Während der Woche musste man diese „paradiesischen Zustände“ ein bisschen einschränken, denn die Schule und auch die Hausaufgaben standen natürlich im Vordergrund. Dennoch war es für mich überhaupt nicht schwierig, Schulalltag und Vergnügen in Einklang zu bringen und so kann ich das Motto unserer Schule „Learn in paradise“ nur bestätigen.
Nach 6 Wochen war dann die Schule für mich zu Ende. Es folgten noch 2 weitere Wochen, welche ich hauptsächlich am Strand von Playa del Carmen und mit Reisen verbrachte.So begab ich mich mit einem Schulkollegen auf eine 10-tägige Rundreise mit dem Autobus. Da die Ausbreitung des Zugnetzes in Mexiko zu wünschen übrig lässt, gibt es ein zuverlässiges, gut ausgebautes Netz für Autobusse, welches jeden grösseren Ort einschliesst. Die Busse fahren meistens am Abend los, damit man die Möglichkeit hat, auf den zum Teil sehr langen Strecken zu schlafen.
Unsere Reise führte uns zuerst von Playa nach Palenque und Agua Azul ins Hochland von Chiapas. Um nicht jede Nacht im Bus zu verbringen, suchten wir uns jeweils für eine oder zwei Nächte ein Hotel und fuhren anschliessend weiter.
Wasserkaskaden von Agua Azul im Hochland von Chiapas Von Ciapas ging die Reise dann weiter in die Berge von Oaxaca (Oachaca ausgesprochen), dann nach Puerto Escondido am Pazifik, das Surferparadies schlechthin und schliesslich kamen wir in die Stadt der Superlative, Acapulco.Zum Schluss unserer Reise besuchten wir noch Mexiko-City, die grösste Stadt der Welt, auf über 2000 Meter über Meer gelegen. Der Höhepunkt Rundreise war allerdings der Besuch der riesengrossen Aztekenstadt Teotihuacan mit ihrer weltberühmten Sonnen- und Mondpyramide etwas ausserhalb von Mexiko-City.Schliesslich nahmen wir das Flugzeug und kehrten nach Cancún zurück. Die tolle Aussicht auf Mexiko-City und den noch immer aktiven Vulkan Popocatépetel werde ich wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen!
Aussicht auf die Bucht von AcapulcoDann verbrachte ich meine letzten paar Tage noch in Playa del Carmen und hatte so genügend Zeit, mich von allen, die ich kennen gelernt hatte, zu verabschieden, bevor ich schweren Herzens meine Heimreise in die kalte Schweiz antreten musste. Nun ist schon viel Zeit vergangen und ich traure immer noch der schönen Zeit in Mexiko nach.
Geblieben sind mit allerdings wunderbare Fotos und Erinnerungen sowie die Tatsache, dass ich viele neue und interessante Leute kennen gelernt habe. Eines weiss ich ganz bestimmt: Ich werde zurückkehren, denn die Faszination dieses Landes und dessen Leute werden mich nie wieder loslassen!
Autor: Martin Horst, 20 Jahre
Sprachaufenthalt: September bis November in Playa del Carmen, Mexiko
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