Fabian KoblerEs wurde mir aber schnell bewusst, dass in Kapstadt häufig der gefürchtete "south-easter“-Wind weht, der die kühlen Temperaturen bringt. Der erste Eindruck von Kapstadt fiel eher etwas enttäuschend aus. Nach einer 20-minütigen Fahrt vom Flughafen in die Stadt fuhren wir bei etlichen Townships (so werden die Slumgebiete genannt) vorbei, wo die Armut schon von der Autobahn aus bemerkt werden konnte.
Meine Unterkunft und die Schule für die nächsten zwei Monate waren in Sea Point, direkt am Atlantik gelegen. Sea Point ist ein Stadtteil mit vielen Shops, Restaurants und Pubs, wo immer etwas los ist. Zuerst wollte ich mein neues Zimmer beziehen, bevor ich die ersten Erfahrungen mit den Einheimischen machte. Else van der Walt und ihr 6-jähriger Sohn nahmen mich super auf. Ihr Haus lag nur eine Gehminute von der Schule entfernt, besser konnte es gar nicht sein. Ich wollte an diesem Sonntag trotz kleiner Reisemüdigkeit noch die neue Umgebung kennen lernen.
Ich stellte fest, dass Kapstadt nicht sehr afrikanisch ist. Ich kam mir anfangs eher wie in einer europäischen Grossstadt vor. Einziger Unterschied war die schwarze Bevölkerung, von der ich mehrheitlich einen guten Eindruck hatte. Sie schienen mir zufrieden und hatten ständig ein Lächeln auf den Lippen. Die zweite Landessprache neben Englisch, Africaans genannt, ist ein Mix zwischen der holländischen, deutschen und schweizerdeutschen Sprache. So war es immer lustig, die Leute reden zu hören. Man konnte nämlich etliche Wörter von unserem Dialekt ableiten.
City von Kapstadt aus Sicht vom Tafelberg Am Montagmorgen um 8.30 Uhr wurde ich in der Schule Cape Studies erwartet. Nach einem recht schwierigen Einstufungstest wurde ich in ein mittleres Niveau (Level 3 von 6 möglichen) eingeteilt. Die Schule schien mir gut organisiert. Ich fand auch sehr schnell Freunde unter meinen Schulkollegen. Glücklicherweise waren wir nur wenige deutschsprachige Studenten (zwei Schweizer und einige Deutsche). Dies war eines meiner Hauptanliegen, denn ich wollte mein Deutsch auf ein Minimum reduzieren. So versuchte ich dann, mit Studenten aus der ganzen Welt Kontakt aufzunehmen (aus China, Japan, Chile, Angola, Frankreich). Schnell fand ich einen besten Freund, mit dem ich die meiste Zeit verbrachte. Sein Name war Jean Baptiste N’de la Salle von der Elfenbeinküste. Wir nannten ihn kurz "Andy“, was für uns und die Lehrer um vieles einfacher war.
In den ersten zwei Morgenlektionen stand Grammatik auf dem Stundenplan. Anschliessend war für die restlichen vier Lektionen Konversation angesagt. Dies fand ich sehr interessant, man sprach über Gott und die Welt, jeden Montag kamen wieder neue Studenten dazu, so wurde es nie eintönig. Ich konnte mein Niveau von Level 3 auf das höchste Level (6) in der fünften Woche steigern. Ich verbrachte eine super Schulzeit, in der ich viele Kontakte knüpfen und neben dem schulischen auch im menschlichen Bereich viel profitieren konnte.
Kapstadt hatte aber auch negative Seiten. So schön die Stadt am Tafelberg gelegen ist, die Armut und die Kriminalität unter der schwarzen Bevölkerung war zeitweise doch erschreckend. So lagen tagsüber viele obdachlose Erwachsene und leider auch Kinder auf den Strassen herum. Viele dieser Leute drängten vom ganzen Land in die Grossstädte wie Kapstadt, Johannesburg oder Durban in der Hoffnung, Arbeit zu finden. Sie werden aber dort bitter enttäuscht. Somit stehen sie, nur im Besitz der Kleider, die sie tragen, auf der Strasse. Zwei Zeichen der ehemals herrschenden Apartheid fallen auf: einerseits die anfangs erwähnten Townships, andererseits die vielen Schwarzen, die die Jobs verrichten, die ein Weisser in Südafrika niemals machen würde wie Toiletten reinigen, Müll entsorgen, Strassen fegen, Fenster putzen usw.
Clifton-Strände in Kapstadt Zu erwähnen sind noch die sogenannten "Black Taxis“, die ich als eine gute Transportmöglichkeit nützte. Dies sind alte VW-Busse, die in der ganzen Stadt verkehren und immer überfüllt sind. Aber für 50 Rappen pro Fahrt ist man auch mit ein bisschen weniger Platz zufrieden. Typisch für Südafrika sind die vielen Schwarzen, die Parkplätze zuweisen oder das sogenannte "car-watching“, mehr oder weniger gewissenhaft betrieben (das Auto wird gegen Einbruch und Diebstahl bewacht).
Anschliessend an meine Schulzeit erfüllte ich mir meinen Traum. Ich ging auf eine 23-tägige Safari. Nach meinem Aufenthalt in Kapstadt wollte ich endlich das wirkliche Afrika entdecken. Der Overlandtrip führte uns von Kapstadt die Westküste entlang nach Namibia, wo der Hauptteil der Safari stattfand. Wir durchquerten das ganze Land, bekannt, durch die grossen Wüstengebiete und besuchten unter anderem den weltschönsten National- und Tierpark, den Etosha-Pan. Weiter führte uns die Reise über Botswana, Zambia nach Zimbabwe zu den eindrücklichen Victoria Falls, was das Ende unserer Tour bedeutete.
Sanddünen auf Safari in NamibiaDanach ging es wieder zurück in die Schweiz. Ich stellte fest, dass ich die schöne und saubere Schweiz wieder bewusster schätzte und ich gerne zurückging. Der ganze Aufenthalt hat mir sehr viele Erfahrungen gebracht, die mir in meinem weiteren Leben sicherlich von Nutzen sein werden. Nicht zu vergessen sind natürlich die mir angeeigneten Englischkenntnisse, die ich in meinem zukünftigen Berufsleben gerne einsetzen möchte.
Autor: Fabian Kobler, 24 Jahre
Sprachaufenthalt: August bis Oktober in Kapstadt, Südafrika
Freizeit: Skifahren, Fussball, Lesen und Reisen
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