Monika ThalmannSo flog ich Mitte August nach Madrid, wo ich von glühender Hitze empfangen wurde. Mit dem Auto ging es weiter nach Salamanca. Dort wurde ich von meiner Gastfamilie mit zwei Töchtern herzlich begrüsst. Man versuchte mir zu erklären, dass ich nicht die einzige Studentin sei, die hier wohne, denn die Gastfamilie beherbergte noch zwei Studenten aus Amerika. Doch da ich mich mit fast keinen Spanischkenntnissen nach Salamanca gewagt hatte, war es etwas schwierig für mich, das zu verstehen.
Die Wohnung lag ideal. Ich hatte nur fünf Minuten bis zur Schule, die sich direkt im Zentrum von Salamanca befindet. Am ersten Schultag kam ich um den Einstufungstest herum, denn ich war ja Anfängerin. Ich wählte 30 Stunden Intensivkurs mit je zwei Lektionen Konversation, Vokabular und Grammatik pro Tag. Ich kam schneller vorwärts als ich gedacht hatte und schon bald verstand ich ganze Sätze.
"Casa de las conchas" (Muschelhaus) in SalamancaIn den ersten Tagen stellte ich fest, dass in Spanien der Tag wirklich 24 Stunden gelebt wird. Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Strassen. Auch die Essenszeiten sind ganz anders als in der Schweiz. Das war für mich in der ersten Woche etwas gewöhnungsbedürftig: das Mittagsessen nimmt man um 14.00 Uhr und das Abendessen zwischen 21.00 und 22.00 Uhr ein. Doch für die exzellente Küche meiner Gastfamilie versuchte ich mich schnell umzugewöhnen.
Nach dem Abendessen traf ich mich meistens mit Studenten aus England, Brasilien, Korea, Italien, Deutschland und auch aus der Schweiz, um den Abend auf der Plaza Mayor zu geniessen und die vorbei flanierende Menge zu beobachten.
Im September waren Festtage in Salamanca angesagt. Eine ganze Woche wurde man mit traditionellen spanischen Tänzen und Liedern verwöhnt und konnte sich auf den Märkten mit Souvenirs für die Daheimgebliebenen eindecken. Natürlich waren auch die Stierkämpfe von Spaniern von Touristen gut besucht. Ich hatte wirklich Glück, diese Festtage in Salamanca erleben zu können.
Aber auch sonst wurde es mir nie langweilig, denn die Schule bot jedes Wochenende Ausflüge und Wandertouren an. Einmal pro Woche gab es auch freiwillige Zusatzkurse zu den Themen Gastronomie, Kunst und Literatur, traditionelle Bräuche und anderen mehr. Wir gingen oft auch selbst auf Entdeckungsreisen. Am eindruckvollsten war für mich die Reise nach Santander. Ich mietete mit meiner englischen Klassenkameradin ein kleines Auto und so fuhren wir los in Richtung Norden.
Schon bald verschwand die karge Landschaft und ein vertrautes Wiesengrün erschien. Nach ungefähr fünfstündiger Fahrt erreichten wir die Küste von Santander. Für uns war das Meerwasser zu kalt, aber hier und da sahen wir Badelustige in den Wellen.
Leuchtturm in SantanderFast zur Verzweiflung brachte mich meine Wochenendreise nach Madrid. Ich wollte dort unbedingt meine spanische Brieffreundin treffen. Ich hatte sie bei einem Sprachaufenthalt in Vancouver, Kanada kennen gelernt und war seitdem in ständigem Kontakt mit ihr geblieben. Ich nahm morgens den ersten Bus nach Madrid und fuhr mit der Metro bis zu der Strasse, an der sie wohnte. So stand ich dann vor Hausnummer 73. Ich musste die Nummer 1848 B finden, also machte ich mich auf die Suche, wurde aber nicht fündig. Nach zweistündigem Herumirren und Fragen erklärte mir eine Frau am Kiosk, dass das die Nummer 184 bedeute, Block 8, Türe B. Endlich klopfte ich an die Tür meiner Freundin, überglücklich, sie doch noch zu sehen, und wir verbrachten noch einen wunderschönen Nachmittag in Madrid.
Nach 10-wöchigem Aufenthalt musste ich wieder Abschied nehmen und Adressen austauschen. Am Tag meiner Abreise bestellte ich ein Taxi, um zur Busstation zu gelangen. Als das Taxi wegen der verstopften Strassen nicht mehr weiterkam, wurde die Zeit allmählich beängstigend knapp. Plötzlich wendete der Taxichauffeur und fuhr verkehrt herum in eine Einbahnstrasse. Ich hielt nur noch die Luft an und hoffte, uns käme kein Wagen entgegen. "Das ist eine Abkürzung, keine Angst“, erklärte mir der Fahrer und tatsächlich kam ich rechtzeitig an der Busstation an.
Mit meinen neugewonnenen Sprachkenntnissen flog ich dann wieder zurück in die Schweiz und überlege mir nun, wo ich meinen nächsten Aufenthalt verbringen möchte.
Autor: Monika Thalmann, 23Jahre
Sprachaufenthalt: August bis Oktober in Salamanca, Spanien
Freizeit: Musizieren, Lesen, Reisen und Sprachen
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