AUF DER ANDEREN SEITE DER ERDKUGEL von Rebecca Mayer
"Waas?! Hawaii!" So reagierten die meisten Leute, denen ich von meinem geplanten Sprachaufenthalt in Honolulu erzählte. Die meisten konnten nicht glauben, dass es auf dieser Insel überhaupt eine Sprachschule gibt. Man malte mir die schönsten Bilder aus von Sonne, Strand, Meer und natürlich den berühmten Surfern.

      Rebecca Mayer

Klar freute ich mich auf das kleine Paradies, so sah es nämlich auf den Bildern aus. Wunderschöne unberührte Natur, viele Strände, nicht zu vergessen der berühmteste der Welt, der Waikiki Beach. Aber die Reise dorthin bedeutete auch Abschied nehmen von meiner Familie, meinem Freund und meinen Kollegen. Der Tag des Abfluges kam mit rasender Geschwindigkeit näher, schon feierte ich meinen 20. Geburtstag, was gleichzeitig meine Abschiedsparty war. Eine Woche später stand ich mit meinen Eltern und meinem Freund am Flughafen. Ich war sehr aufgeregt und freute mich auf das Abenteuer. Der Abschied fiel mir nicht ganz leicht und ein paar Tränen flossen, obwohl ich mir vorgenommen hatte, das zu vermeiden.

Nach 24 ziemlich anstrengenden Stunden landete ich schliesslich auf dem Flughafen Honolulu auf der Insel Oahu. Zum Glück war ich nicht allein, ich hatte am Flughafen in Los Angeles schon drei Leute getroffen, die an dieselbe Sprachschule gehen würden. So konnten wir gemeinsam auf unser Gepäck warten und ich fühlte mich schon nicht mehr so allein.

Am Flughafen wurde ich von meiner Gastfamilie abgeholt, von der ich nicht viel mehr als die Adresse wusste. Ich wurde freundlich begrüsst und bekam tatsächlich einen Blumenkranz umgehängt... ich hatte gedacht, das gäbe es nur im Film! Danach fuhren wir zu dem Haus, das in den nächsten drei Monaten mein Zuhause sein sollte. Ich war sehr überrascht, was ich in der Dunkelheit der Nacht erkennen konnte, gefiel mir sehr. Ein stattliches Haus mit grossem Eingangsportal und, wie ich am nächsten Tag entdecken sollte, einer traumhaften Aussicht auf den Ozean.

      Hawaiianische Hulatänzerinnen

Ich freute mich, als mein erster Schultag gekommen war, so konnte ich meine neu gewonnenen Freunde treffen; prompt kamen wir in dieselbe Klasse. Nach dem Schulunterricht am Morgen wollten wir am Nachmittag zum nahe gelegenen Strand gehen, was uns nach einigen Orientierungsschwierigkeiten auch gelang. Wir lagen in der Sonne und erzählten uns von unseren Familien, die in der Schweiz bei Temperaturen unter Null froren... plötzlich war alles so weit weg.

Das Leben und die Leute sind anders. Die Zeit scheint in Hawaii langsamer zu laufen als in der Schweiz. Niemand wundert sich, wenn der Bus eine Viertelstunde zu spät kommt. Das Lebensmotto hier lautet: "Hang loose“, alles ist "easy going“. Die Leute sind kontaktfreudig und helfen gerne.

Mit meiner Familie hatte ich einen Volltreffer gelandet. Ich konnte mich bei ihnen wirklich zu Hause fühlen. Sie nahmen mich mit auf Ausflüge, wir gingen Schnorcheln in der berühmten Hanauma Bay, badeten an der Sandy Beach, fuhren Kajak, erkundeten die Insel mit dem Auto usw. Da meine Gastmutter japanischen Ursprungs war, konnte ich oft asiatische Gerichte geniessen.

      Hanauma Bay - ein Paradies zum Schnorcheln

Einer der Höhepunkte meiner Sprachreise war der Schulausflug auf die grösste hawaiianische Insel, auf "Big Island“. Atemberaubende Landschaft, von trockenen vulkanischen Gebieten bis zu feuchten Regenwäldern war alles zu sehen. In zwei Tagen umfuhren wir mit zwei Vans die Insel.

Jeden Monat gingen Freunde in die Schweiz zurück, bis schliesslich auch meine "Graduation“ gekommen war. Dabei bekamen wir ein Diplom überreicht und verabschiedeten uns von den "Teachern“, die wir nicht unbedingt als strenge Lehrer kennen gelernt hatten, sondern als Menschen, die schon viel erlebt hatten und viel Interessantes zu erzählen wussten. Schliesslich hiess es auch von meinen neuen Freunden Abschied nehmen, das letzte Mal zusammen am Strand liegen, Adressen austauschen, versprechen, sich zu treffen (was wir in der Zwischenzeit bereits gemacht haben).Ich versuchte, all die Sachen, die sich bei Shoppingtouren in den unzähligen Einkaufszentren angesammelt hatten, in meine Koffer zu stopfen; dies bereitete mir einige Mühe und schliesslich musste ich meinem Nachfolgestudenten in meiner Familie ein paar Sachen vererben...

Ich wurde noch einmal mit einem tollen Abendessen verwöhnt, eine der letzten Gelegenheiten, mein verbessertes Englisch anzuwenden. Um vier Uhr morgens musste ich aufstehen, von meiner Gastfamilie Abschied nehmen, was mir sehr schwer fiel, und meine Gastmutter fuhr mich zum Flughafen, wo ich um sieben Uhr Richtung Osten davonflog. Ich konnte es kaum glauben, dass die drei Monate schon um sein sollten, ich war doch gerade erst hier gelandet... Ein letzter Blick auf die berühmten Hochhäuser und den Strand von Waikiki, dann war nur noch das Meer zu sehen...

      Ausblick vom "Diamond Head" auf die "Waikiki Promenade"

Die drei Monate waren eine wertvolle Erfahrung für mich. Ich habe gemerkt, dass – für mich jedenfalls - die Hauptsache einer Sprachreise nicht unbedingt die Fremdsprache selbst ist, sondern was sie so mit sich bringt: Ein fremdes Land, andere Kulturen, verschiedene Menschen. Auf einmal ist man weg von Zuhause, muss sich neu orientieren. In den ersten Tagen ist das schwer, aber man gewöhnt sich schnell an Neues, alles ist aufregend. Plötzlich in einer so grossen Stadt zu sein, war eine Umstellung für mich, da ich auf dem Lande wohne. Die Sonne schien jeden Tag, ich bekam laufend Mails von Zuhause, in denen vom schlechten Wetter berichtet wurde. Ich war froh, dem Winter entflohen zu sein!

Nach Hause mitgenommen habe ich schliesslich wahnsinnig schöne Erinnerungen an eine Insel, wie sie viele Touristen wohl kaum erleben, und eine "zweite Familie“ auf der anderen Seite der Erde.

Autor: Rebecca Mayer, 20 Jahre
Sprachaufenthalt: Januar bis April in Honolulu, Hawaii
Freizeit: Fitness, Volleyball, Musik, Lesen, Kino, Snowboarden und Reisen

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Weitere Bilder zu diesem Bericht
   
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      Die Gewalt der Natur auf "Big Island" - Lava über einer Strasse

      Wunderschöne einsame Strände

      Atemberaubende Sonnenuntergänge

      Mein Gastbruder Kolton und ich


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