Cornelia RothEndlich! Mit meiner Familie stand ich in Zürich am Flughafen und wurde herzlich verabschiedet. Noch durch die Passkontrolle und dann ging das Abenteuer los. Drei Wochen in einer der atemberaubendsten Städte der Welt standen mir bevor. Eigentlich wollte ich ja viel länger bleiben, aber meine Ausbildung liess das nicht zu. Ein bisschen ein komisches Gefühl hatte ich ja schon im Magen, ich kannte die Frau nicht, bei der ich wohnen würde, ich kannte keine einzige Person in diesem mir noch fremden Land. Was würde ich wohl alles erleben?
Ich betrat das Flugzeug und bereits von dort an konnte ich meine Englischkenntnisse auf die Probe stellen, neben mir sass ein wirklich sehr freundlicher Amerikaner, mit dem ich mich im Laufe des Fluges anfreundete.
Ziemlich müde und aufgeregt traf ich dann nach einem angenehmen Flug im Flughafen JFK ein. New York ist in fünf sogenannte „boroughs“ (Stadtteile) eingeteilt: Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens und Staten Island. Laure, meine homestay mother, bei der ich drei Wochen lang leben sollte, lebt in Queens. Genauer gesagt in Mineola, das liegt auf Long Island. Bald war ich dort angekommen und durfte feststellen, dass die Gegend für mich so aussah, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mineola ist ein sehr ruhiger, kleiner Ort mit typisch amerikanischen Häusern und Parks.
Homestay in Queens auf Long IslandEine hübsche Frau mit längeren blonden Haaren erwartete mich bereits mit Tee und Kuchen. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und alle Anspannung war sofort vergessen. Die Atmosphäre stimmte einfach. Im Laufe des Abends bezog ich mein Zimmer und Laura und ich redeten noch bis spät in den Abend hinein miteinander. Sie erklärte mir auch die wichtigsten Dinge für den morgigen ersten Tag an meiner Schule in Manhattan.
Bald war es Montag und ich fuhr mit der Long Island Rail Road Bahn zur Pennsylvania Station mitten in Manhattan. Viele Geschäftsleute hatten von Mineola aus dasselbe Ziel wie ich. Ich fand mich zu meinem Erstaunen gut zurecht und sass schon bald in der Schule, wo ich einen Test zur Einstufung schrieb. Danach knüpfte ich die ersten Kontakte und war bereits am ersten Tag wahnsinnig begeistert.
Die Skyline von ManhattanAls ich gegen Abend wieder nach Hause kam, erwartete mich Laura bereits mit einem wunderbaren Essen und wir tauschten die Erlebnisse des Tages aus: Sie erzählte mir von ihrer Arbeit und ich ihr von meinen vielen neuen Eindrücken. Dies blieb dann bis zu meiner Abreise fast jeden Abend so.
Meine Klasse war einfach toll und ich schloss viele Freundschaften fürs Leben. Unsere Lehrer konnten uns die englische Sprache mit viel Humor und Begeisterung übermitteln. Die Schule organisierte ausserdem viele interessante Ausflüge. Bereits am Dienstag besuchte ich mit ein paar neuen Freunden aus meiner Klasse eine in Amerika berühmte Talkshow namens "Montel“. Die Begeisterung war gross. Schon nach ein paar Tagen bemerkte ich, wie mir das Sprechen leichter fiel.
Es gab so viel zu sehen. Nicht schlecht staunte ich, als ich eines Abends mit Freunden durch Greenwich Village (downtown) schlenderte und ich meinen Vornamen als Strassennamen antraf. Natürlich war mir dies ein Foto wert, was allerdings andere Touristen, die die Strasse überquerten, sehr erstaunte. Ein Foto von einem Strassenschild?
In der zweiten Woche besuchte ich mit einer Freundin die Freiheitsstatue. Noch bevor wir das Schiff, das uns nach Liberty Island bringen sollte, erreichten wir eine unglaubliche Menschenmenge. Sie wollten nicht etwa die Freiheitsstatue besuchen, nein, sie alle starrten auf etwas ganz Bestimmtes. Viele Polizisten waren ebenfalls da und schienen etwas abzuschirmen. Plötzlich schrie meine Freundin: „Ein toter Mann!“ Auch die anderen Leute waren sehr aufgeregt und hinter uns rief jemand: „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“ Dann erst kam jemand, der uns ganz gelassen erklärte: „Bitte keine Aufregung, hier wird nur ein Teil eines Krimis gedreht.“ Wir konnten noch lange über diesen Irrtum lachen...
Die Freiheitsstatue auf Liberty IslandDie Zeit in New York war einfach spitze. Ich besuchte natürlich das Empire State Building, den Central Park, und da ich ein grosser Einkaufsbummelfan bin, war diese Stadt auch in dieser Hinsicht super für mich. In Macys, dem grössten Einkaufscenter, fand ich mit einer Freundin zusammen jeden Tag etwas Neues. Ausserdem besuchte ich viele Musicals, wie z.B. Miss Saigon, Aida Cabaret und natürlich Phantom of the Opera. Im „Stardust“, einem typisch amerikanischen Restaurant, traf man sich vor und nach dem Theater.
Ich war total begeistert von dieser Stadt, die rund um die Uhr wach ist. Ab und zu lief man am Abend nach den Musicals beim Times Square auch mal einer Berühmtheit über den Weg. Manchmal erkannte ich diese aber gar nicht, da sie sich hier so gut unters Volk mischen konnten.
Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich dann der Besuch des Long Island Beach an meinem letzten Sonntag, zu dem mich meine Hostmother eingeladen hatte. Mit lauter Musik im Cabriolet fuhren wir zum Strand hinunter und liefen gemeinsam den Atlantischen Ozean entlang. Wir fanden viele bunte Muscheln und erzählten uns viel. Für mich war dieser Ausflug auch deshalb so besonders, weil ich vorher New York in Gedanken nie mit solch wunderschönen Stränden verbunden hatte.
Long Island Beach mit der HostmotherIn der letzten Woche träumte ich sogar auf Englisch und merkte, dass ich in dieser kurzen Zeit wirklich Fortschritte gemacht hatte. Der Abschied rückte leider viel zu schnell näher und ich konnte nichts dagegen tun... bald musste ich mich von all meinen neuen Freunden verabschieden. Doch wir versprachen uns, immer in Kontakt zu bleiben. Am schwersten fiel es mir, von meiner Gastgeberin Laura Abschied zu nehmen. Ich fühlte mich bei ihr von Anfang an wie zu Hause und ich weiss, dass wir uns sehr gut kennen gelernt haben. Unter Tränen verabschiedeten wir uns, doch bevor ich „goodbye“ sagte, gab sie mir Folgendes mit auf den Weg: „Don’t say goodbye, just say: see you later!“ und das befolgte ich dann. Ich wusste, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt in New York gewesen war.
Die Zeit dort war einfach umwerfend. Geblieben sind Eindrücke, die ich mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werde und Freunde aus Amerika und der ganzen Welt, mit denen ich immer noch Kontakt pflege. Ich vermisse New York und meine Freunde dort und ich denke, das wird auch so bleiben.... bis zum nächsten Mal!
Autor: Cornelia Roth, 19 Jahre
Sprachaufenthalt: April bis Mai in New York, USA
Freizeit: Reisen, Lesen, Schreiben, Diskutieren, Schwimmen
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